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Innovation in Tradition / Christiane Weber / HEIMATSCHUTZ UND EISENBETONBAUTEN – ZUM VERHÄLTNIS VON BAUTECHNIK UND ARCHITEKTURSPRACHE ÖFFENTLICHER BAUTEN IN STRASSBURG VOR DEM ERSTEN WELTKRIEG

11.02.2016

Symposium: Innovation in Tradition

Christiane Weber

Institute for Architectural Theory, History and Heritage Preservation, University of Innsbruck

Der geborene Schweizer Eduard Züblin ließ sich 1998 in Straßburg nieder und gründete dort ein erfolgreiches Bauunternehmen, das sich auf Eisenbetonkonstruktionen spezialisierte. Straßburg gehörte seit 1871 als Teil des Reichslands Elsass-Lothringen zum Deutschen Reich. In dem Spannungsfeld zwischen deutschen und französischen Einflüssen und unter Ausnutzung der juristischen Ausnahmestellung Elsass-Lothringens etablierte Züblin erfolgreich den Eisenbetonbau in Lizenz für den französischen Bauunternehmer Hennebique. So leistete sein Unternehmen einen wesentlichen Beitrag zum Ausbau der städtischen Infrastruktur Straßburgs. Eine entscheidende Rolle spielten dabei die örtlichen Planungsbehörden, die um 1900 neu strukturiert worden waren und die, verglichen mit den übrigen deutschen Ländern, technischen Innovationen offen gegenüber standen.

Diese progressive Haltung, die sich vergleichbar auch in der urbanistischen Entwicklung und Diskussion in Straßburg wiederfindet, trifft auf eine tendenziell konservative Architektursprache, die gerade nach 1900 von regionalistischen Tendenzen geprägt ist. Der Einfluss der damals neuen Bewegung des „Heimatschutzes“ charakterisiert städtische Bauvorhaben wie das Volksbad, das Sängerhaus und selbst industriell genutzte Lagerhäuser auf dem Hafengelände.

Der Beitrag soll die Planungen und Umsetzungen dieser Stahlbeton-Bauten, die unter Beteiligung der Baufirma Eduard Züblin errichtet wurden, im Kontext der sozioprofessionellen Netzwerke in Straßburg analysieren und die Haltung der städtischen Planer zwischen technischer Innovation und von regionaler Tradition definieren.

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