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Innovation in Tradition / Günther Prechter / „ES GIBT HOFFNUNG AUF EINEN AUSBRUCH AUS DER KONVENTION!“ – SOZIALREFORMERISCHE IMPLIKATIONEN DES ZEITGENÖSSISCHEN ARCHITEKTURBEGRIFFS IN VORARLBERG

11.02.2016

Symposium: Innovation in Tradition

Architect and Theoretician, Bregenz

Als „architektonische Innovationen“ werden in der traditionellen Architekturtheorie vor allem bauästhetische und technologische Phänomene in ihrer Auswirkung auf die dinglich-materielle Architekturproduktion untersucht. Angesichts industrieller Bauverfahren und neuer Baustoffe, vor allem jedoch sozialer Herausforderungen im Massenwohnbau, sahen sich die Theoretiker der modernen Bewegung seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts darüber hinaus zu einer kontinuierlichen Modernisierung ihres Architekturbegriffs veranlasst.

Dieser Vorgang einer fortgesetzten „Architekturproduktion“ auf der Ebene des Bedeutungsumfangs reicht bis in die Gegenwart und ist von sozialpolitischen und sozioökonomischen Interessen zugunsten solcher Innovationen geleitet, die mittels Architektur auf gesellschaftlichem oder ökonomischem Gebiet intendiert werden.

Der Beitrag nimmt als Manifestationen dieser Intentionalitat die zeitgenössische Architekturgeschichtsschreibung über Vorarlberg, die Novellierungen der Vorarlberger Landesbauordnung seit 1948 sowie den Wandel in der institutionellen Verfasstheit des Architektenstandes in den Blick.

Im Mittelpunkt des Beitrages steht Achleitners „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“. Bemerkenswert erscheint insbesondere die Doppelrolle Achleitners als Architekturhistoriker und aktiver Förderer der zeitgenössischen Architektenszene. Seine Qualitätsgutachten, die die „üblicherweise strittigen“ Baugenehmigungsverfahren der jungen Architekten Vorarlbergs in den 1980er Jahren positiv beeinflussten und ihren Projekten zur Realisierung verhalfen, sind ebenso fester Bestandteil der „oral history“ der Szene, wie seine öffentlichen Polemiken gegen das „traditionelle“ Bauen jener Zeit, wie es sich bevorzugt in „rustikalen“ Großprojekten der Tourismusbranche manifestierte. Sein Standpunkt, den der Bedeutungsumfang seiner Begriffe „Vorarlberger Bauschule“ und „Vorarlberger Baukünstler“ signalisiert, prägte einen affirmativ aufgeladenen Begriff von „Architektur“ mit dem Ziel, latenten gesellschaftlichen Reformkräften zur Wirksamkeit zu verhelfen.

Der Beitrag beruht auf der 2013 bei Böhlau erschienenen Studie „Architektur als soziale Praxis – Akteure zeitgenössischer Baukulturen: Das Beispiel Vorarlberg“.

 

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