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Innovation in Tradition / Gianenrico Bernasconi / DIE ENTSTEHUNG DES MODERNEN BÜROS (1880–1930): INNOVATION UND GEBRAUCH EINES RAUMS

11.02.2016

Symposium: Innovation in Tradition

Gianenrico Bernasconi

Institut d’histoire de l’Université de Neuchâtel

Seit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, infolge der zweiten industriellen Revolution, erfährt der Dienstleistungssektor in Europa und in Nordamerika einen beträchtlichen Aufschwung. Die Zahl der Angestellten in Banken, Versicherungen, in der industriellen und öffentlichen Verwaltung steigt gewaltig an, sodass der Angestellte eine der Schlüsselfiguren der urbanen Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts wird. Dieser Aufschwung liegt auch der Entstehung des modernen Büros zugrunde, also des speziell für die Verwaltungsarbeit geschaffenen Raums.

Dieser Vortrag untersucht das Aufkommen dieses Arbeitsraums, wobei der Schwerpunkt auf der Analyse verschiedener Faktoren liegt. Das Büro als architektonisches Objekt ist mit mehreren technischen Innovationen ausgestattet. Diese betreffen gleichermaßen die Arbeitsorganisation, die Mechanisierung administrativer Arbeitsgänge, die Entstehung neuartigen Mobiliars und die Ausarbeitung hygienischer und medizinischer Normen. Außerdem ist das Büro der Rahmen entscheidender sozialer Veränderungen der Arbeitswelt, die unter anderem im Laufe der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts immer weiblicher wird. Durch das Büro kommt ein Dispositiv ins Spiel, das im Sinne des administrativen Taylorismus – vermittels Kontrolle der Angestellten und Regulierung der Produktionsprozesse – zur Effizienzsteigerung beitragen soll. Die Kombination dieser Faktoren macht das Büro zu einem neuartigen Phänomen, bei dem die architektonische Umgebung und das Interieur eine einzigartige Rationalisierung erfahren. So steht das Büro für eine Modernisierung der Gesellschaft und für eine fortschreitende Amerikanisierung. Die Analyse einiger Verwaltungsgebäude zeigt indessen deutlich nuanciertere Realitäten, bei denen unterschiedliche Temporalitäten zu Tage treten.

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