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Innovation in Tradition / Marco Pogacnik / DIE BAHNLINIE WIEN-TRIEST. CARLO GHEGA UND DER BAU DER ERSTEN EUROPÄISCHEN ALPENBAHN 1848–1867

11.02.2016

Symposium: Innovation in Tradition

Marco Pogacnik

Institute for history of architecture at the University IUAV Venice

Carlo Ghega (in Österreich: Carl Ritter von Ghega, 1802–1860), venetianischer Ingenieur, wurde in Venedig und Padua ausgebildet und wirkte anfänglich als Wasserbau- und Straßenbauingenieur in Veneto. Nach Wien geholt, wurde er zuerst bei der Nordbahn beschäftigt und dann nach England und 1841 in die USA geschickt, um die dortigen Bahnen zu studieren. Nach Wien zurückgekehrt wurde sein Entwurf für die neue Bahnlinie Wien-Triest genehmigt. Besonders spektakulär war die Planung des Teilabschnitts über den Semmering mit einer Reihe von massiven Brücken und Galerien, die selbst heute noch dem stark gewachsenen Verkehr genügen. Das Werk von Carlo Ghega ist unter zwei Gesichtspunkten von besonderer Bedeutung. Einmal als Beispiel eines sehr frühen, technischen und wissenschaftlichen Austausches zwischen den USA und Europa und zweitens für seine Vorreiterrolle bei der Planung von Infrastrukturen wie der Wiener Stadtbahn von Otto Wagner.

Die Bahnlinie Wien-Triest stellte eine europäische Meisterleistung dar. Die rechte Hand von Carlo Ghega war ein polnischer Ingenieur und englische Ingenieure wirkten als Berater. Deutsche Maschinenbauer lieferten die ersten Lokomotiven. Am Bau der Semmeringstrecke waren viele ausländischen Baufirmen beteiligt. Zudem musste Ghega herausragende technische Hindernisse überwinden. Diese begannen mit der Ausmessung der ganzen Strecke (600 km), die teilweise durch noch nie bewohnte Gebirge trassiert wurde. An der Realisierung der Bahnlinie waren Experten aus vielen Disziplinen beteiligt, deren Arbeit koordiniert werden musste: Geologen, Wasserbauer, Brückenbauer, Maschinenbauer etc. Was aber letztendlich zu bewundern ist, ist nicht nur die einwandfreie technische Ausführung der Semmeringbahn, sondern die hohe Qualität ihrer Gestaltung. Im Bereich Brückenbau wurden alternative Projekte studiert, um die beste Lösung zwischen Stein- oder Eisenbau, zwischen Flach-, Rund- oder Spitzbogen zu erarbeiten. Die gewählte römische Konstruktionsweise wurde sehr edel und unter Beachtung aller architektonischen Glieder ausgeführt. Last but not least muss noch die besondere landschaftliche Dimension des Unternehmens erwähnt werden. Mit der ersten Alpenbahn Europas begann das neue Phänomen des Massentourismus. Wien wurde mit den Alpen und mit dem Mittelmeer direkt verbunden, was zur Bebauung von neuen Kurorten führte, wie dem Semmering und Opatija an der Adria.

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