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Rückzugsräume der Übenden / Jana Wörn

7.05.2021

Seit einigen Jahrzehnten wird in Deutschland darüber diskutiert, wie mit Kirchengebäuden umgegangen werden soll und kann, die aufgrund von sinkenden Mitgliederzahlen oder strukturellen Wandlungen nicht mehr in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt werden. Wenn diesen Gebäuden nicht der Abriss droht, werden sie umgenutzt. Durch die Art und Weise der Umnutzungen und den öffentlichen Reaktionen werden Themenfelder aufgespannt, anhand derer sich die komplexe und vielschichtige Bedeutung und Wahrnehmung von Kirchen innerhalb der Gesellschaft zeigt. Neben die ganz pragmatische Frage nach einer neuen Funktion, tritt die Tatsache, dass Kirchen unabhängig von der persönlichen Frömmigkeit des Besuchenden oft als ganz besondere Räume wahrgenommen werden. Entsteht diese Wahrnehmung nur aus dem Wissen darum, dass es sich um einen Raum handelt, der sakralen Handlungen dient(e)? Ist der Begriff der Sakralität in Bezug auf Räume in einer religiös sehr pluralisierten Gesellschaft überhaupt noch sinnvoll oder wäre nicht die Atmosphäre ein treffender Ausdruck? Inwieweit ist die Atmosphäre eines Raumes bedingt durch architektonische Elemente und wie entscheidend ist der jeweilige Gebrauch eines Raumes? Begründet sich die Bedeutung eines Raumes allein durch seinen Gebrauch? Gibt es Räume, die sich durch ihre Gestaltung für verschiedene Gruppierungen als adäquate und stimmungsvolle Räume für die jewei-ligen spirituellen Praktiken öffnen? Welche Konzepte für multireligiöse Räume gibt es? Und welche alternativen Praktiken der Transzendenzerfahrung entwickeln sich in einer Gesellschaft in der sich mehr als die Hälfte der Mitglieder als konfessionslos bezeichnet? Soziale und politi-sche Faktoren haben eine enorme Auswirkung auf die Entwicklung der spirituellen Praktiken innerhalb einer Gesellschaft.

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